Konsolen & Computing, Playstation 3
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Es kann nicht immer Retro sein — “Heavy Rain” auf der Playstation 3

Wer Mar­tin und mich ken­nt, weiß, dass wir irgend­wie zwis­chen den 80ern und 00ern hän­gen geblieben sind. Für mich gibt es nichts Schöneres, als SNES zu spie­len. (Genau genom­men über­fordert mich eigentlich fast alles, was drei­di­men­sion­al ist.) Mar­tin führt nach wie vor die läng­ste Beziehung mit seinem Ami­ga. Vor eini­gen Monat­en begab es sich aber, dass wir sehr gün­stig eine gebrauchte Playsta­tion 3* erwor­ben haben, die seit­dem aber nahezu ungenutzt im Wohnz­im­mer herum stand. Lediglich als Stream­ing-Kiste hat­te sie den ein oder anderen Ein­satz. Das änderte sich mit “Heavy Rain”.

Neue” Konsole, neues Glück.

Im Jahr 2010 erschien das Spiel “Heavy Rain”* für die PS 3. Das ist inzwis­chen auch schon wieder 7 Jahre her, was es doch wieder ziem­lich retro macht … Jeden­falls hat mich das Spiel in der dama­li­gen Berichter­stat­tung ziem­lich fasziniert. Die beson­dere Steuerung, der nicht fest vorgegebene Hand­lungsstrang … das war alles neu und span­nend. In “Heavy Rain” bee­in­flusst das Han­deln den Spielver­lauf und zwar in einem größeren Aus­maß, als es das Auswählen der Antworten bei “Mon­key Island” tut. Dafür extra eine neue Kon­sole kaufen wollte ich allerd­ings nicht.

Als nun aber die PS 3 ihren Weg zu uns fand, führte mich mein näch­ster Schritt zu Ebay, wo ich das Spiel für knapp ‘nen 10er erstanden habe. Es lag dann noch eine Weile herum, aber irgend­wann hab ich es dann doch an einem ein­samen Abend in die Kon­sole geschoben.

Heavy Rain lässt mich im Regen stehen

Ärger über den Anfang und die Steuerung von Heavy Rain

Auf Twit­ter den Frust raus­ge­lassen …

Das Menü der PS3 finde ich ein biss­chen vollgestopft und unüber­sichtlich, zum Spiel find­et man aber doch recht schnell. Doch dann heißt es erst mal: Update. Update der Playsta­tion. Dann Update des Spiels. Während­dessen soll ich das beigelegte Papi­er zu einem Origa­mi-Tier fal­ten. Warum eigentlich? Ich mag Origa­mi, aber ich will doch spie­len und werde ungeduldig und verkacke es. Egal.

Nach ca. 20 Minuten — in der Zeit hätte ich bei F-Zero einen ganzen Grand Prix fahren kön­nen — geht es endlich los. Das Spiel startet und die Grafik ist wirk­lich beein­druck­end. Schon der Start­bild­schirm des Spiels mit Tex­ten und Regen sieht bess­er aus, als jedes Retro-Kon­solen-Spiel.

Das Spiel startet, ich liege im Bett und soll mich erst mal mit der unüblichen Steuerung ver­traut machen. Sym­bole leucht­en auf und ich muss z. B. den recht­en Joy­stick auf eine bes­timmte Art bewe­gen, um aufzuste­hen. Mit R2 laufe ich und mit dem linken Joy­stick ändere ich die Rich­tung. Das ist eigentlich ein­fach, aber da mich 3D immer über­fordert, laufe ich nicht beson­ders sou­verän. Irgend­wann lande ich im Badez­im­mer, schaue in den Spiegel und soll mir die Zähne putzen, indem ich den Con­troller hin und her bewege.

Hier endet mein Aben­teuer. Ich habe keinen “Move-Con­troller”. So muss ich nach 20 Minuten Update und ca. 3 Minuten Spielzeit die Kon­sole auss­chal­ten. Was für eine Ent­täuschung!

Die Move Edition bringt Bewegung ins Spiel

Was ich zu dem Zeit­punkt nicht wusste: Ich würde mir keinen orig­i­nal Con­troller* für 80,- Euro kaufen müssen. Was mir nicht aufge­fall­en war: Ich hat­te die Move Edi­tion erstanden. Und diese erfordert einen entsprechen­den Con­troller. Es sei denn, man schal­tet das im Menü aus. Was ich in meinem Ärg­er natür­lich über­sah. Lange war das Spiel erst mal für mich erledigt, bis der Mann mit einem Move-Con­troller von Big Ben vom Einkaufen zurück­kam. Noch mal pro­bierte ich das Spiel aus und siehe da: Es klappt. Wenn Move drauf ste­ht, ist auch Move drin.

Zu Tas­ten­drück­en, -hal­ten, -kom­bi­na­tio­nen und Joy­stick-Bewe­gun­gen kamen nun also auch Wack­el- und Schleud­er­be­we­gun­gen mit dem gesamten Con­troller. Ob das für das Spiel bess­er oder schlechter ist, ver­mag ich gar nicht zu sagen. Generell sind mir aber Move-Befehle häu­figer miss­lun­gen als andere.

Wer ist der Origami-Killer?

Rel­a­tiv schnell wird klar, dass das Spiel sehr düster und ernst ist. Ein Killer treibt sein Unwe­sen. Er ent­führt kleine Jun­gen, lässt sie im starken Regen (daher der Titel “Heavy Rain”) ertrinken und wenn sie wieder auf­tauchen, haben sie eine Orchidee und eine Origa­mi-Fig­ur bei sich. Aha, deshalb auch die Origa­mi-Fig­ur bei der Instal­la­tion. Im Laufe des Spiels steuert man ver­schiedene Charak­tere. Sie ver­suchen, den ent­führten Jun­gen zu ret­ten und den Killer zu stellen. Merk­würdi­ges Ver­hal­ten der Charak­tere und Wen­dun­gen erschw­eren diese Suche.

Man muss durchge­hend mit Gegen­stän­den inter­agieren, Beweise suchen und mit anderen Charak­teren sprechen. Meis­tens hat man ver­schiedene Sätze zur Auswahl. Das schwierige daran: Da ste­ht dann zum Beispiel O vertei­di­gen, X angreifen. Was aber genau passiert, wenn man O oder X drückt, weiß man vorher nicht. Manch­mal passiert genau das, was man einkalkuliert, manch­mal aber eben auch etwas völ­lig anderes. Wenn man sich nicht schnell genug entschei­det, passiert gar nichts und die Sto­ry läuft ein­fach weit­er. Im schlimm­sten Fall ohne einen. Noch schlim­mer: wenn der Charak­ter extrem anges­pan­nt ist, wack­eln die Auswahlmöglichkeit­en und sind schw­er­er les­bar. Dementsprechend ist es auch sehr viel schwieriger sich zu entschei­den. Diverse Male hab ich an diesen Stellen nicht das gedrückt, was ich eigentlich gewollt hätte.

Jede Entschei­dung (und auch Nicht-Entschei­dung) hat Ein­fluss auf den Ver­lauf des Spiels. Während der Haupt­sto­ry wohl eher weniger, aber ins­ge­samt gibt es wohl 18 ver­schiedene Enden. Was ich während des Spiels nicht wusste: Jed­er kann ster­ben. Als ich heute jedoch das Spiel been­det hab, hat­te ich (zumin­d­est so ziem­lich) meine Schäfchen im Trock­e­nen und bin mit dem Aus­gang ganz zufrieden. Spaße­shal­ber hab ich mir jedoch auf YouTube noch ein paar alter­na­tive Szenar­ien ange­se­hen. Da war ich dann doch zu neugierig.

Spoil­er! Zeigen

Aus Enttäuschung wird Begeisterung … und dann doch wieder ein bisschen Enttäuschung

Nach dem schlecht­en Start hat mich “Heavy Rain” zunächst doch einige Stun­den fan­tastisch unter­hal­ten. Ich habe mich bei eini­gen Entschei­dun­gen gefragt, was sie wohl für Auswirkun­gen haben und was wohl passiert wäre, wenn ich mich an dieser Stelle anders entsch­ieden hätte. Schnell hat­te ich den Wun­sch, das Spiel anschließend gle­ich ein zweites Mal mit ein­er alter­na­tiv­en Hand­lung durchzus­pie­len. Aber dann wurde es zwis­chen­durch doch etwas lan­gat­mig und ich wollte dann doch, das es bald endet. Zwis­chen­durch hab ich mich auch das ein oder andere Mal über die (zweifel­sohne inno­v­a­tive!) Steuerung geärg­ert. Das lag aber wahrschein­lich haupt­säch­lich an meinem Unver­mö­gen. Tat­säch­lich habe ich so oft Links und Rechts ver­wech­selt wie nie zuvor.

Außer­dem muss ich lei­der den Kri­tik­ern insofern etwas recht geben, dass manche Wen­dung doch etwas abstrus ist. Und ich finde es schade, dass ver­schiedene Dinge aufgenom­men wer­den, aber für die Hand­lung irgend­wie über­haupt keine Rolle spie­len. Und auch nicht zu Ende geführt wer­den. Was mich anfangs gar nicht gestört hat, aber als es am Ende um die Wurst ging doch einiges kaputt gemacht hat: Bild- und vor allem Tonaus­set­zer.

Let­z­tendlich ist das aber alles wahrschein­lich Gejam­mer auf hohem Niveau. Die Stim­mung ist großar­tig düster, die Grafik bombe. Vor allem im Ver­gle­ich zu dem, was ich son­st so gewohnt bin. Ich mochte die Charak­tere, habe aber erschreck­end lange dafür gebraucht zu erken­nen, dass Madi­son nicht Grace Mars ist. Ins­ge­samt ist “Heavy Rain” fast wie ein Film, den man eben spie­len und bee­in­flussen kann. Und zwar ein ver­dammt span­nen­der Film. Auch wenn mein Enthu­si­as­mus ins­ge­samt vor­erst etwas gebremst ist, ist “Heavy Rain” es doch dur­chaus wert, (noch mal!) gespielt zu wer­den.

 

 

Kategorie: Konsolen & Computing, Playstation 3

von

Miriam

Ich bin gerne in diesem Internet unterwegs, spiele gerne Super Nintendo und Filme und Serien und den Martin schau ich mir auch gerne an. Affiliate-Links kennzeichne ich mit einem *.

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Martin
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Wobei ja die PS3 mit­tler­weile auch schon bald zur Retroecke gehört. 10 Jahre alt, der Hobel. Für Kon­solen schon ne Kleinigkeit!

Miriam
Gast

Stimmt schon. In Rela­tion zu dem Kram, der hier son­st so rum­liegt, ist sie aber trotz­dem ver­hält­nis­mäßig neu. Und tat­säch­lich die aktuell­ste Kon­sole, die hier rum­ste­ht.