In der Mäuseburg kommen Teufel rein und Engel wieder raus.

Ich hab die “Elternschule” überlebt

Ich bin auf Face­book in diversen Müt­ter-Grup­pen unter­wegs. Diese sind über­wiegend aus­gerichtet auf bedürfnisori­en­tierte und bindung­sori­en­tierte Erziehung. Es geht dort vor allem um Langzeit­stillen, Tra­gen und Co-Sleep­ing im Eltern­bett. Kein Wun­der also, dass ein Auf­schrei durch die Menge ging, als im let­zten Jahr der Doku­men­tarfilm “Eltern­schule” in den Kinos anlief.

Elternschule” im ÖRR und in der Mediathek

Auf­grund des Trail­ers und des Medi­ene­chos zum Film, gepaart mit den Aus­sagen der Müt­ter, hat­te ich zwar schon ein recht umfassendes Bild zum Film; aber eigentlich finde ich ja, dass man sich erst dann eine Mei­n­ung bilden kann, wenn man es auch selb­st gese­hen hat. Finanziell unter­stützen wollte ich die Filmemach­er aber nicht und hab den Film daher nicht gekauft. Gestern lief der Film dann um 23 Uhr in der ARD. Eine Mut­ter in ein­er mein­er Grup­pen sagte dazu: “Wie passend, dass der Film einen Sende­platz hat, an dem son­st Hor­ror­filme laufen.” Viele haben geäußert, dass sie sich den Film nicht anse­hen wer­den, weil sie befürchteten, nach­haltig davon trau­ma­tisiert zu wer­den. Ich finde es gut und richtig, “Eltern­schule” zu mei­den, wenn man sich selb­st nicht zutraut, das auszuhal­ten.

Wieso tut man das (s)einem Kind an?

Denn ich muss lei­der zus­tim­men. Das Ganze ist wirk­lich kaum zu ertra­gen. Und es über­rascht wirk­lich nicht, dass es im Anschluss Kla­gen und Peti­tio­nen gab und dass der Klinik Kindesmiss­brauch vorge­wor­fen wurde. Ich bin natür­lich nur ein Laie, aber was ich da gese­hen habe, hat mich ern­sthaft erschüt­tert. Kinder, die Prob­leme haben, deren Wille mit Gewalt gebrochen wer­den soll. Verzweifelte Eltern, bei denen du teil­weise merkst, dass sie am lieb­sten ihre Kinder nehmen und schreiend weglaufen wollen, die aber den Ärzten ein­fach (zu viel?) Ver­trauen schenken und nur das Beste für ihr Kind und ihre Fam­i­lie wollen. Und Ärzte und Pflegeper­son­al, die die Kinder als Tyran­nen darstellen, die durch Liebe­sentzug, Esszwang u. s. w. “ther­a­piert” wer­den sollen.

Zum Glück kein Erziehungsratgeber

Wie gesagt, ich bin Laie. Ich bin Mut­ter. Bevor ich schwanger war, hab ich auch gedacht, dass eine autoritäre Erziehung für das Kind wohl das beste wäre. Klare Gren­zen, klare Regeln. Ich bin der Erwach­sene, du bist das Kind. Aber dann wuchs Franziska in mir her­an und ich habe ange­fan­gen mich mit bedürf­nis- und bindung­sori­en­tiert­er “Erziehung” zu beschäfti­gen und das ist alles so ein­leuch­t­end und schlüs­sig, dass ich mich ganz oft frage, wie man über­haupt eine andere Sicht auf Erziehung haben kann.

Klar, Franziska ist noch klein und es wird sich erst noch her­ausstellen, wie gut sich das im All­t­ag umset­zen lässt. Aber ich merke ja jet­zt schon, dass sie nur mein Ver­hal­ten spiegelt. Dass es über­haupt nicht hil­ft, wenn ich laut werde. Dass ich sowieso nur dann laut werde, wenn ich aus anderen Grün­den einen Scheiß­tag habe und mein Kind sowieso nichts dafür kann und sie nichts falsch gemacht hat. Sie ver­sucht nicht, mich zu manip­ulieren. Na klar testet sie Gren­zen aus, aber im Film wurde das fast als “Bösar­tigkeit” dargestellt und da muss ich doch vehe­ment wider­sprechen. Natür­lich ist Ein­schlaf­be­gleitung anstren­gend, aber die Kinder waren teil­weise unter 2 Jahre alt. Da müssen sie noch nicht alleine Ein- oder gar Durch­schlafen. Und erst recht müssen sie sich nicht in den Schlaf schreien vor Ein­samkeit und Tode­sangst.

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Meine Gedanken hier sind sehr unsortiert, andere haben das bess­er und auch pro­fes­sioneller kom­men­tiert (hier zum Beispiel bei kinder-verstehen.de). Aber ich finde es trotz­dem wichtig, als Mut­ter dazu Stel­lung zu beziehen. Ich weiß jeden­falls – jet­zt erst recht – dass wir auf einem guten Weg sind und dass solche Meth­o­d­en und “schwarze Päd­a­gogik” nichts für uns sind. Und ich finde es schade, dass kein wirk­lich­er Diskurs entste­ht und dass der Film so unkom­men­tiert aus­ges­trahlt wird.

Eltern­schule” gibt es noch bis zum 10. Juli 2019 in der ARD-Mediathek.

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Ich hab die “Elternschule” überlebt

von Miriam Lesedauer ca. 3 min